Wo er auftaucht, fließen eimerweise Schweiß und Tränen. Detlef D! Soost, jene allgegenwärtige Mischung aus nah am Wasser gebautem Kuschelbär und knallhartem Drill-Instructor, lässt bei "Popstars on Stage" (donnerstags, 20.15 Uhr, ProSieben) schon seit einigen Wochen die neuesten Chart- und Bühnenhoffnungen und all jene, die sich dafür halten, nach seiner Pfeife tanzen. Nun will der 37-jährige Star-Choreograf und In-den-Senkel-Steller der Nation, der das Ausrufezeichen passenderweise im Künstlernamen trägt, die D!
-Dosis im TV weiter erhöhen: Ab 30. Juli hält das unermüdliche Arbeitstier in der dritten Staffel von "DanceStar" (montags, 21.00 Uhr, VIVA) erneut nach vielversprechenden Tanztalenten Ausschau.
teleschau: Haben sich alle halbwegs begabten Kandidaten nicht schon längst bei Ihnen vorgestellt?
Detlef D! Soost: Nein, in jeder Staffel kommen immer wieder neue Tänzer, weil stets andere Stilrichtungen im Mittelpunkt stehen. Außerdem ist die Anerkennung der Marke "DanceStar" in der Tanzszene extrem gestiegen. Die Leute wissen, dass wir in der Sendung niemanden vorführen wollen, sondern ihnen eine Plattform geben möchten.
teleschau: Warum präsentieren sich immer wieder auch völlig talentfreie Menschen?
D!: Das kann ich wirklich nicht verstehen. Viele stellen sich einfach hin, zappeln und glauben, das sei Tanzen. Dabei ist das vom Tanzen so weit entfernt wie der Mond von der Erde. Bei den wirklich peinlichen Fällen spreche ich immer von Wahrnehmungsstörungen oder einem unfairen Umfeld. Da frag ich mich doch, ob diese Leute keine Freunde haben.
teleschau: Auch Monrose werden mit ihren Songs bei "DanceStar" auftreten. Wie erklären Sie sich, dass es so schnell wieder ruhiger um die letzten "Popstars"-Gewinner wurde?
D!: Zunächst glaube ich, dass es auch weltweit gesehen rekorverdächtig ist, in der heutigen Zeit innerhalb von zwei Monaten 300.000 Singles und fast 400.000 Alben zu verkaufen. Aber Monrose hatten auch Gegenwind: Sie wurden von VIVA nicht gespielt. Warum auch immer! Die "Bild"-Zeitung schwieg sie tot. Warum auch immer! Außerdem hatten sie einige Rückschläge zu überwinden, wie etwa den Vorausscheid zum Eurovision Song Contest. Aber hey, das ist ARD-Publikum. Es ist doch normal, dass die eher Roger Cicero kennen als Monrose. Das mit den drei Girls weiter zu rechnen ist, beweisen sie gerade mit ihrer neuen Single "Hot Summer".
Die geht von null auf zwei in die Charts. Ich finde das nicht ruhig, sondern ziemlich laut!
teleschau: Sie sprechen aus vielen Jahren Casting-Show-Erfahrung. Wie haben Sie es geschafft, so lange dabei zu bleiben?
D!: Mein Erfolgsgeheimnis liegt darin, dass ich mit den Kandidaten leide. Dass ich mich auf gewisse Art und Weise in ihnen wiederfinde. Immer denke ich: "Mensch Alter, wenn du früher so eine Chance gehabt hättest, du hättest sie doch auch genutzt. Du hättest doch auch Gas gegeben." Deswegen fühle ich so intensiv mit den Kandidaten. Und weil ich ganz einfach ihre Sprache spreche.
Ich sage nicht zu den jungen Leuten: "Könntest du bitte mal anfangen zu tanzen!" Auf dem Schulhof sagt der eine zum andern: "Ey Alter, jetzt beweg mal deinen Arsch!" Ich bin sicher nicht ganz so ordinär. Aber ich tendiere in diese Richtung.
teleschau: Haben Sie sich schon einmal Vorwürfe gemacht, weil Sie zu hart mit jemandem ins Gericht gingen?
D!: Auch ich bin nur ein Mensch und keinesfalls fehlerfrei. Klar schaue ich zurück und sage mir: "An der Stelle hättest du vielleicht einmal mehr Luft holen können." Aber genauso sagen sich auch die Kandidaten: "Hier hätte ich vielleicht einmal mehr Gas geben können. Dann wäre es nicht so weit gekommen."
teleschau: Der Jugend von heute wird oft Antriebslosigkeit vorgeworfen. Sehen Sie das auch so?
D!: Bevor wir Erwachsenen mit dem Finger auf die Jugendlichen zeigen und sagen, wie scheiße und verroht sie doch sind, sollten wir uns überlegen, woher das kommt. Vielleicht durch unsere erhöhte Interesselosigkeit an der Jugend? Durch die gesellschaftlich und politisch schwierige Situation? Ich finde, man darf die Kids nicht verteufeln, sondern muss ihnen eine Richtung zeigen.
teleschau: Sie schreiben derzeit auch an einem Buch über Motivation ...
D!: Ich arbeite wieder mit Martin Hartenstein zusammen, mit dem ich bereits ein Buch geschrieben habe. Wir möchten für den Ottonormalverbraucher, auch für junge Leute, eine leicht verdauliche Kost zum Meistern des Lebens schaffen. Es soll kein mit Fachwörtern vollgepfropfter, trockener Ratgeber werden.
teleschau: Gibt es eigentlich eine Entstehungsgeschichte zu Ihrem legendären Schlachtruf "Pam-Pam-Pam", mit dem Sie die Tänzer anspornen?
D!: Es gibt andere Choreografen, die sagen: "Hatt-Hatt-Hatt" oder "Klack-Klack-Klack". Und für mich ist es eben "Pam-Pam-Pam". Da ist Power drin. Das heißt: "Jetzt komm, lass mal machen hier!" Aber es entstand wirklich eher zufällig. Jetzt sagt jeder Zweite auf der Straße: "Ey, D!, yo, Pam-Pam-Pam!"
teleschau: Werden Sie sehr oft angesprochen?
D!: Es ist mein Vorteil oder vielleicht auch Nachteil, dass ich 1,90 Meter groß bin, im Augenblick 104 Kilo wiege, ein breites Kreuz habe, recht ausländisch aussehe und dann auch noch eine Glatze habe. Da falle ich natürlich mehr auf, wenn ich irgendwo langgehe.
teleschau: Gibt es auch negative Reaktionen?
D!: Nur wenige trauen sich, frech zu werden. Vor Kurzem kam ein etwa 18-Jähriger auf mich zu. Er hatte wohl gerade gekifft und sagte: "Ey, du bist doch der Typ aus dem Fernsehen, ey. Hör mal auf mit dem Scheiß, ey!" Aber ansonsten reagieren sie relativ entspannt, weil die meisten Leute über die Jahre die Beweggründe für meine Arbeit erkannt haben und mich akzeptieren.
teleschau: Haben Sie Angst davor, dass das Publikum einmal genug von Ihnen haben könnte?
D!: Ich mache mir darüber Gedanken. Zu sagen, ich habe Angst, wäre zu viel. Dank meiner jungen Familie und meiner D!s Dance Clubs in 150 Städten habe ich ein etwas weicheres Bett, in das ich fallen kann, wenn der Stern irgendwann sinken sollte.
teleschau: Ärgert es Sie, wenn Sie in den Medien auf den Arm genommen werden?
D!: Ich denke, wenn etwa Stefan Raab mich so wichtig findet, dass er über mich redet, dann mache ich irgendetwas richtig. Aber wenn jemand wie Mario Barth Witze, die ich ihm selbst über mich erzählt habe - wie "Schon morgens, wenn ich das erste Auge aufmache, fange ich an zu schwitzen" -, in sein Programm einbaut, um damit gegen mich zu schießen, dann ist das unter der Gürtellinie. Und da kann ich auch mal sagen: "Alter, komm mir nicht in die Quere!"
teleschau: Sie sind junger Vater, bald bekommen Sie wieder Nachwuchs. Was sagt Ihre Familie dazu, dass Sie rund um die Uhr im Casting-Einsatz sind?
D!: Das Baby dürfte jederzeit kommen. Das ist eine schwierige Situation im Augenblick. Ich bin momentan sehr, sehr selten daheim. Meine Frau und ich leiden darunter und unbewusst wahrscheinlich auch mein Kind. Das ist schon hart, aber ich habe mir ab Mitte Juli einen kompletten Monat freigenommen.
teleschau: Mussten Sie sich mit ihrer Vergangenheit als Heimkind neu auseinandersetzen, seitdem Sie selbst Vater sind?
D!: Nein. Ich habe meinen Vater im November 2004 in Ghana besucht. Das war das erste und einzige Mal in meinem Leben. Für mich war es eine gute Möglichkeit, um abzuschließen. Er starb vor einigen Wochen. In einem Traum kam alles noch einmal in mir hoch. Aber es hat meinen Lebensinhalt nicht beeinflusst.
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